Die Aufgabe, aus der Vielzahl von innovativen und kreativen Einreichungen beim CAST Technology Award 2008 die beste bzw. die besten Geschäftsideen herauszufiltern, hat sich die CAST Jury auch dieses Mal nicht leicht gemacht. Bewertet wurde unter anderem nach den Kriterien Marktpotential, Innovationskraft, Kundennutzen, Wettbewerbssituation und wirtschaftliche Realisierbarkeit der Idee. Belohnt wurden jene Projekte, denen von Seiten der Fachjury die besten Chancen auf wirtschaftliche Umsetzung eingeräumt wurden.
Erster Platz mal zwei
Auf dem obersten Treppchen des Siegespodests finden sich gleich zwei Projekte aus der Medizinischen Universität Innsbruck. Dr. Florian Kral und Dr. Wolfgang Freysinger, Universitätsklink für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, arbeiten an einer Vorrichtung, die medizinische Eingriffe an der Schädelbasis erleichtern soll. In der chirurgischen Praxis werden vermehrt 3D Navigationssysteme eingesetzt, die dem Chirurgen wichtige Positionsinformationen zur Instrumentenführung geben. Für OPs an der Schädelbasis sind die bestehenden Systeme aufgrund fehlender Applikationsgenauigkeit jedoch noch unzureichend. Jene Vorrichtung, die Dr. Kral und Dr. Freysinger entwickeln, soll nun erstmals auch die notwendige Applikationsgenauigkeit für Eingriffe an der Schädelbasis sicher stellen.
Über den „zweiten“ ersten Platz konnte sich Dr. Herbert Oberacher, Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck, freuen. Ihm ist es gelungen, ein sehr effizientes Werkzeug zur Identifizierung (bio)organischer Moleküle zu entwickeln. Als analytisches Verfahren wird die Tandemmassenspektrometrie verwendet. Dabei werden durch gezielte Fragmentierung „molekulare Fingerprints“ von Chemikalien erzeugt, die für die spätere Identifizierung in einer Spektrenbibliothek gesammelt werden können. Das Aussehen eines substanzspezifischen „Fingerprints“ ist allerdings stark von den verwendeten experimentellen Bedingungen abhängig. Daher galt die Erstellung einer universell einsetzbaren Spektrenbibliothek bis dato als nicht realisierbar. Durch Entwicklung einer geeigneten Datenbankstruktur bzw. eines optimierten Suchalgorithmus gelang es Dr. Oberacher diese Lehrmeinung zu widerlegen und eine geräte- und loborunabhängige Spektrenbibliothek zu erstellen.
Von Kunsteisbahnen und Weinanalysen
Die weiteren drei Prämierten kommen aus der Universität Innsbruck. Den dritten Stockerlplatz erklommen hat Dr. Werner Nachbauer mit seinem Team vom Institut für Sportwissenschaften. Dort arbeitet man an der Entwicklung einer künstlich vereisten Sprintkunsteinbahn für Rodel, Skeleton und Zweierbob. Die neuartige Leichtbauweise unter Verwendung von modernen Faserverbundwerkstoffen sowie eine neue energieeffiziente Kühltechnologie ermöglichen die Produktion dieser Sportstätten, die in der Anschaffung kostengünstiger sind als ihre Vorgänger.
Richard Spindler, Student der Informatik an der Universität Innsbruck, wurde mit dem vierten Rang überrascht. Er beschäftigt sich schon seit einigen Jahren in seiner Freizeit mit der Entwicklung eines Open Movie Editors. Dabei handelt es sich um eine Open Source Video-Schnitt Software, die privaten Linux Anwendern die Möglichkeit bieten soll, ihre Videos professionell zu bearbeiten. Ihre Funktionalität hat die Software bereits beim Schnitt des Filmprojekts "McFinnen&Wallace", welches dieses Jahr beim Filmfestival film:riss in Salzburg unter den Siegern zu finden war, bewiesen.
Platz fünf ging an Mag. Dr. Christian Huck, Institut für Analytische Chemie und Radiochemie. Er stellte in seiner Einreichung ein objektives Verfahren zur schnellen Weinanalytik vor. Seine Methode macht eine Bestimmung von Rotwein nach Herkunft, Rebsorte und Jahrgang sowie der chemischen Zusammensetzung (Weinsäure, Zuckergehalt, ph-Wert) von der Traube über die Maische bis zum fertigen Wein möglich. Damit kann die bisher aufwendige chemische Analyse der Inhaltstoffe durch eine einzige, sekundenschnelle Messung, die keinerlei Vorbereitung voraussetzt, ersetzt werden.
Ein Ideenwettbewerb - der Hintergrund
Das Grundprinzip hinter dem von CAST ins Leben gerufenen Ideenwettbewerb ist es, ForscherInnen zu motivieren regelmäßig darüber nachzudenken, ob Ihre Forschungsergebnisse oder Entwicklungen für die Wirtschaft von Bedeutung sind. Mit der Ausschreibung des CAST Technology Awards wird den Tiroler ForscherInnen die unkomplizierte, fast spielerische Möglichkeit gegeben, Ihre Forschungsarbeit einer Art Wirtschaftlichkeitstest zu unterziehen. „Es geht beim CAST Technology Award nicht um eine Bewertung der Qualität der Forschungsergebnisse sondern darum, ob sie das Potential haben, einer Kommerzialisierung zugeführt zu werden“, betont Mag. Christian Mathes, Geschäftsführer des CAST. Die Jury begutachtet die Ideen dahingehend, ob sie Chancen am Markt haben und gibt gute Aufschlüsse darüber, ob attraktive wirtschaftliche Erlöse möglich sind – sei es durch Unternehmensgründung, Patentierung oder Lizenzierung.
Die nächsten Schritte zum Erfolg
Bei allen weiteren Schritten von der Idee zum Business berät, begleitet und fördert das CAST ForscherInnen der Tiroler Hochschulen, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichungen. Egal, ob man zu den Prämierten gehört oder nicht – Gewinner sind alle Teilnehmer, da sie wertvolles Feedback der Jury mit nach Hause nehmen können sowie die Gewissheit, im CAST jederzeit einen kompetenten Ansprechpartner zu finden, der in Sachen Forschungsverwertung immer gerne zur Seite steht.
Links:
transIT, Entwicklungs- und Transfercenter Universität Innsbruck GmbH
Institut für Gerichtliche Medizin
Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
Institut für Analytische Chemie und Radiochemie
Institut für Sportwissenschaft



